Interviews

Thomsen, Marius

Interview zwischen SplatGore (SG) und Marius Thomsen (MT) vom November 2008








Hallo Marius,

schön dass du dir für uns ein wenig Zeit genommen hast.



(SG): Was sind derzeit deine Lieblingsfilme und warum?

Sich auf einzelne Titel festzulegen ist extrem schwierig da es unzählig viele Filme gibt, die mir sehr gut gefallen: High Tension, Braindead, Menschenfeind, Suspiria um aus dieser Masse ein paar meiner All-Time-Favoriten zu nennen. Die besten Titel, die ich in jüngster Zeit gesehen habe sind die TROMA-Filme: Terror Firmer, Poultrygeist und Citizen Toxie – The Toxic Avenger 4. Diese Filme sind absolut krank, strotzen vor Fäkalhumor, sind ohne Ende asozial und einfach nur genial da sie ungemein unterhalten. Allgemein denke ich, dass das das Wichtigste überhaupt ist, was ein Film erfüllen sollte um als „gut“ bezeichnet zu werden. Er muss unterhalten! Was nützt mir als Zuschauer der millionenschwerste, mit namenhaften Darstellern geschmückte Hochglanzstreifen aus Hollywood wenn er letztendlich doch nur gähnend langweilig ist und nur noch als überteuerte Schlaftablette funktioniert? Mal ehrlich, dann doch lieber eine billiger asoziale Trash-Streifen, in dem die 90-minütige Laufzeit wie im Flug vergeht und der Filmfreak anschließend noch nach Nachschlag verlangt. Und genau aus diesem Grund favorisiere ich zur Zeit Filme von Troma.



(SG): Gibt es irgendwelche Regisseure die dir besonders gefallen und wenn ja was zeichnet sie besonders aus?

Ich bewundere Olaf Ittenbach für sein unermüdliches Engagement und seinen Fleiß, mit dem er an sein Schaffen geht. Von Film zu Film war eine deutliche Steigerung ersichtlich, ein Aspekt, in dem ich meine eigenen Filme wieder erkenne.
Andreas Schnaas und Timo Rose, weil sie mit ihrem ganzen Herzblut an ihren Filmen arbeiten. Beim Timo Rose kann man ja nicht nur von Regisseur sprechen, er ist ja quasi Filmemacher, da er neben der Regie auch fast die ganze Post-Produktion seiner Filme übernimmt.
Zudem gefallen mir sehr Dario Argento und John Carpenter, die mit ihren (Früh-)Werken absolut zeitlose und atmosphärisch nahezu perfekte Filme inszenierten.



(SG): Wie kam es dazu, dass du angefangen hast Filme zu drehen? Und warum gerade Splatterfilme und nicht etwas ganz anderes?

Ein totaler Filmfreak war ich eigentlich schon immer. Als Kind durfte ich für meinen Vater problemlos Horrorfilme schauen. ich sah die Gremlins, Critters und den Blob, von dem ich sogar Albträume bekam. Meine Mutter hingegen wollte überhaupt nicht, dass ich mir solche Filme anschaute und hatte es mir schließlich verboten. Ich hatte sozusagen eine hauseigene Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien. Jedenfalls habe ich nachts heimlich oder bei Freunden solche Filme einfach weiter geschaut und habe natürlich nie das Interesse am Schrecken auf der Leinwand, bzw. in der Flimmerkiste verloren. Ganz im Gegenteil.
Mein allererster Splatterfilm war übrigens Tanz der Teufel 1 in der ungeschnittenden Fassung, den ich mit 12 Jahren mit einem Freund bei dessen Onkel schaute. Der Reiz des Verbotenen gesellte sich zum, bis dato für mich, heftigsten, vor Kunstblut triefenden, Schlachtfest in Sachen Film. Von nun an hatte ich mein Genre entdeckt.
Den ersten Teil von Knochenwald habe ich ja im Jahre 2000 gedreht. Die Idee jedoch, selbst Filme zu machen, war mir schon einige Zeit vorher im Kopf rumgegeistert. Ich habe 1999 die Amateurfilme von Andreas Schnaas: „Zombie 90“ und „Violent Shit 2“ gesehen und dachte mir: „Das kann ich auch!“
Dass meine ersten Werke Splatterfilme werden würden, stand für mich außer Frage,
ebenso, dass eine gesunde Portion Humor mit rein muss, um das Ganze gut abzurunden.



(SG): Mit der Knochenwald Trilogy hast du ja schon einen super Beitrag abgeliefert. Erzähl uns bitte mal ein wenig von den Filmen:

Die Knochenwald Filme sind eigentlich nur eine Hommage an sämtliche Slasher-,Trash-.und vor allem Splatterfime. Die Story ist bewusst nicht gerade intelligent oder tiefsinnig, stattdessen war der Schwerpunkt derbe Gewalteffekte, assiger Humor und ganz einfach nur Unterhaltung für den Splatterfreak. Den ersten Teil haben wir in den Sommerferien 2000 gedreht (wir gingen alle noch zur Schule) und er hat gerade mal 50 DM gekostet.
Diese wurden fast ausschließlich in Kunstblut investiert.
Am zweiten Teil haben wir 1 ½ Jahre gearbeitet und er hat Produktionskosten von 250 Euro verschlungen. Leider mussten wir aus diversen Gründen auf verschiedenen Videoformaten
drehen, was im Endergebnis stark zu sehen ist. Zudem gingen leider zwei Masterbänder verloren. Dieses Filmmaterial konnte ich glücklicherweise noch hervorzaubern, da ich nach einem jeden Dreh stets VHS-Kopien von den Gedrehtem anfertigte.
An Teil drei arbeiteten wir insgesamt 2 ½ Jahre, wovon ein halbes Jahr die Post-Produktion dauerte. Die Produktionskosten beliefen letztendlich sich auf knapp 1000 Euro. Die neue Videokamera und Schnitthardware für den PC nicht mitgerechnet.
Die Divise der Trilogie war von Anfang an klar:„Minimum Konversations-Maximum Handlung “ oder besser: „Film rein, Hirn raus… and have fun!“



(SG): Zu Teil 1 + 2 gab es ja einen Recut. Wie kam es zu diesem Anlass, die beiden Filme noch einmal zu überarbeiten?

Der Hauptanlass war, dass der Max vom Independent-Label Maximum Uncut Productions, Interesse äußerte, die Filme komplett als Trilogie auf DVD zu veröffentlichen.
Da Knochenwald 1 +2 für den eigenen Freundeskreis gemacht waren, hatte ich mir keine Gedanken um jegliche eventuelle Copyright-Verstöße gemacht. Beide Filme hatten einen Soundtrack, der aus GEMA-pflichtigen Titel bestand. Für ein kommendes DVD-Release musste ich jedoch diese Tracks gegen GEMA-freie austauschen. Außerdem konnte ich gleich mehrere Schönheitsfehler bei einer kompletten Neubearbeitung der beiden Filme ausbessern. Langwierige und monotone Einstellungen, vorwiegend Landschaftsaufnahmen, entfernte ich, da sie den Filmen stark das Tempo nahmen. Beim ersten Teil wurde die Verfolgungsjagd gegen Ende des Filmes auf ein Drittel verkürzt, da mache Einstellungen zu dunkel aufgenommen wurde und einige Minuten fast komplettes Schwarzbild zu sehen war.
In einige Szenen wurden Überblendungen eingefügt, zudem wurde die komplette Tonspur neu bearbeitet und der ganze Schnitt einfach temporeicher gestaltet. Im Recut von Knochenwald 2 – Fleischernte sind sogar einige Splatterszenen eingefügt worden, die in der ursprünglichen Version gar nicht enthalten waren. So darf Mike Mansfield das Messer mehrmals ins Gesicht des Bodybuilders rammen, einem anderen den Arm abhacken und die Machete tief in seinem Kopf versenken.



(SG): Mike Mansfield (der Schlächter aus den Knochenwaldfilmen) stirbt ja in Teil 2 + 3. Wird es evtl. einen vierten Teil geben und Mike wird wieder zum Leben erweckt (wie in Teil 3), oder ist nach den 3 Teilen Schluss?

Dass es nie einen vierten Teil geben wird, möchte ich nicht sagen. Allerdings habe ich derzeit Lust etwas anderes zu machen.



(SG): Du hast in deinen Knochenwald Filmen auch immer mal vor der Kamera fungiert. Stehst du lieber vor, oder hinter der Kamera?

Ganz eindeutig: Hinter der Kamera. So habe ich einfach mehr Kontrolle und Überblick über das Projekt. Zudem bin ich ein viel besserer Kameramann und Regisseur als Darsteller. Obwohl es im Amateurbereich unumgänglich ist in allen Bereichen, die das Filmemachen mit sich bringt, aktiv zu sein. In erster Linie mache ich Filme für Gorehounds, da ich mich selbst dazu zähle und genau weiß, was ich sehen will.
Ich werde aber versuchen, in allen meinen Filmen weiterhin eine kurze Nebenrolle zu übernehmen.



(SG): Was sind deine nächsten Projekte?

Zunächst einmal ist es mein primäres Ziel eine interessante Geschichte abzuliefern und den Zuschauer gut zu unterhalten.
Des weiteren versuche ich mich filmtechnisch weiter zu verbessern. was man natürlich an den einzelnen Teilen meiner Knochenwald Trilogie nachvollziehen kann.
Ich plane mit meiner Filmcrew Nocturnis Pictures einen waschechten Manhunt-Streifen, ganz in der Tradition von „Die Todeskandidaten“, „Night Hunter (Avenging Force)“ und „Insel der Verdammten“, auf absolutem Independent-Niveau natürlich, versteht sich.
Wir werden so weitermachen, wie wir in Knochenwald 3 aufgehört haben: extrem skurrile Charakteren, einem ganzen Haufen Waffen (Zweckentfremdung ist in diesem Zusammenhang mein Lieblingswort) und einem wahren Inferno aus Kunstblut und Fäkalhumor. Das Ganze soll eine Hommage an die stupiden aber unterhaltsamen Actioner der 80er werden.
Zudem habe ich noch etliche weitere Ideen für Filme, die allerdings schwer mit den z.Zt. vorhandenen Mitteln umzusetzen sind. Zudem habe ich Filmideen von Fans geschickt bekommen, an denen ich ebenfalls Interesse hätte, diese filmisch umzusetzen.
Aber, wie gesagt, erstmal steht mein Manhunt-Streifen auf dem Programm.



(SG): Wie stehst du zu dem Thema Zensur?

Wenn sie sinnvoll ist und begründet ist kann ich es gut nachvollziehen und befürworte sie auch. Allerdings wird Zensur in unserem Land so willkürlich und subjektiv eingesetzt, dass es schlechthin als hirnrissig zu bezeichnen ist, was hier abgeht.
Es gibt anscheinend überhaupt keine Maßstäbe, nach denen die Zensur arbeitet
Wie kann man es als Institution wagen, einen weltweiten Klassiker wie Dawn of the Dead von 1978 in Deutschland in seiner ungekürzten Fassung zu beschlagnahmen und so zahllosen Horrorfans versuchen dieses Meisterwerk in seiner Gesamtheit vorzuenthalten?
Der Film ist doch wohl nicht brutaler als heutige Filme, die sogar ab 16 Jahren freigegeben werden. Ich nenne da nur Der Soldat James Ryan, der mit seinen dargestellten Grausamkeiten und dem historischem Hintergrund um Längen heftiger und gewalttätiger daherkommt als ein absolut fiktiver Zombiefilm der 70er/80er Jahre.

Anscheinend ebenso willkürlich arbeitet die FSK wenn es um das Zerstückeln eines filmischen Kunstwerkes geht, das ohnehin keine Jugendfreigabe bekäme. Wie viele Filme bekommt man nur über Österreich uncut, obwohl sie hier wie auch dort nur für erwachsene Zuschauer freigegeben sind? Ich meine jetzt Medien, die aufgrund ihrer Gewaltdarstellungen in Deutschland zensiert oder verboten wurden, nicht wegen Propaganda oder abartiger Pornografie.
So wird in Deutschland dem mündigen Bürger vorgesetzt, was er zu konsumieren hat und was nicht. Man spielt man sich als Vorkoster und Moralapostel auf, ohne dabei auch nur einen Gedanken zu verlieren, dass Zuschauer, die sich einen bestimmten Titel ansehen wollen, genau wissen, was in etwa auf sie zukommt. Ich denke, jeder kann sich doch selbst grob einschätzen, was er sehen kann oder will und was eben nicht. Sorry, aber wenn eine übergeordnete Instanz mir als Konsument dieses Recht nimmt und im Vorfeld über mein Konsumverhalten bestimmt, sind das für mich schon diktatorische Aspekte, die ich in keinster Weise nachvollziehen oder befürworten kann.
Statt Filme gedankenverloren von Dilettanten zerstückeln zu lassen, sollte man lieber dafür sorgen dass die Abgabe an Erwachsene strikter eingehalten wird.


(SG): Ich bedanke mich recht herzlich für das Interview und übergebe das letzte Wort an dich!
Zum einen wende ich mich an alle DVD Produzenten und Lizenznehmer da draußen: releast doch endlich die etlichen fehlenden Filmperlen, auf die Filmfreaks schon seit Jahren warten und bisher nur als verdammte Bootlegs bekommen können, anstatt einen Film in zehn Versionen zu veröffentlichen! Zum anderen möchte ich allen Gorehounds und aufgeschlossenen Amateurfilmfans mitteilen: Haltet Ausschau! Das nächste Projekt von Nocturnis Pictures kommt garantiert….und dann wird es wieder heißen: „Film rein, Hirn raus….and have fun!“



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