Interviews

Stenke, Julia




Interview mit Julia Stenke vom 02.12.12



Vielen Dank, dass du dir die Zeit für das Interview genommen hast.


Danke dir!



Wie bist du zum Film gekommen?

Das ging Knall auf Fall innerhalb von zwei Tagen. Eine Hauptdarstellerin ist drei Wochen vor
Drehbeginn abgesprungen und ein Kollege, der auch bei „God Forsaken“ dabei ist, hat den Kontakt mit Olaf und Tanja hergestellt. Wir haben telefoniert, sie haben mir das Drehbuch geschickt und ich war dabei :-).



Was hättest du gemacht, wenn es mit dem Schauspielerei nicht geklappt hätte?

Hm...das ist eine gute Frage, die ich mir zwischen Engagements/Dreharbeiten immer wieder stellen muss. Leider kenne ich die Antwort selber nicht.
Ich bin zwar immer bemüht, mich irgendwie weiterzubilden und mit Menschen zusammen zu sein – z. B. hab ich vor einiger Zeit ein Praktikum im Krankenhaus gemacht – komme aber immer wieder kleinlaut zurück zur Schauspielerei. Es ist für mich jedes Mal wieder Luxus und Freude, damit Geld zu verdienen.



Du hast ja auch schon Theater gespielt. Kannst du uns hierzu etwas mehr erzählen?

Oh ja, gerne.
Kurz nach der Schauspielschule hab ich ein gutes Jahr Tourneetheater gemacht. Das
war meine Lehrzeit, sag ich heute! Wir sind zu zweit durch Deutschland gezogen und haben alles selbst gemacht: Bühnenaufbau, Umbauten, Musik, Abrechnungen etc.. Wir haben für Jugendliche in Schulen präventive Stücke gespielt und die Resonanz von den jungen Menschen war enorm.
Zu einigen hab ich heute noch Kontakt – zwei Mädels hab ich erst vor einigen Monaten in Berlin wiedergetroffen, wo sie mit ihrer Schule auf Klassenreise waren und ihre Entwicklung zu sehen war toll!
Danach war ich kurz am Kindertheater in Cottbus und 2012 beim Sommermärchen in
Bischofswerda dabei. Tolle, intensive Zeiten!!



Bist du lieber auf der Theaterbühne oder vor der Kamera?

Ausgebildet wurde ich schwerpunktmäßig für die Kamera. Fühle mich da auch sicherer und
handwerklich versierter. Aber grundsätzlich liebe ich beides.



Im Baader Meinhof Komplex warst du auch zu sehen. Wie war es für dich, bei so einem großen Projekt dabei gewesen zu sein?

Da war ich ja nur ein ganz kleines Licht – sozusagen „Edelstatistin“. Ich hab als politische Rebellin ein Springer – Auto angezündet. Es war ein langer Nachtdreh, hat geregnet und war sehr windig. Trotzdem war diese große Produktion bis in die Haarspitzen durchorganisiert, das war sehr beeindruckend!



Danach hast du ja in ein paar TV Serien - SOKO Leipzig, Aktenzeichen XY usw. mitgemacht. Was kannst du uns hierüber berichten und wie hat es dir gefallen?

SOKO war meine erste „größere“ Rolle (drei Drehtage) nach der Schauspielschule. Ich war die beste Freundin des Mordopfers – eine Rotzgöre mit gutem Kern. Natürlich war ich megamäßig nervös und sehr beeindruckt von den Kollegen! Es hat mir so gut gefallen, dass ich gar nicht gehen wollte! ;-)
XY war noch in der Ausbildung und von der Gage hab ich mir mein erstes Netbook gekauft.



Du hast kürzlich die Dreharbeiten zu God Forsaken von Olaf Ittenbach beendet. Wie war der Dreh für dich?

Intensiv, blutig, explosiv, unvergesslich, atemberaubend!



Was für eine Rolle hast du?

Ich spiele ABBEY – eine 22-jährige Söldnerin mit dem Geist einer Fünfzigjährigen.
Die Frau ist von klein auf durch viele Höllen gegangen, aber zur Profikillerin wird sie erst, als
sie mit 20 ihre große Liebe im Krieg verliert. Inzwischen traut sie niemandem mehr - nur zu ihrer Kollegin Myrel hat sie ein besonderes Verhältnis.
Ach ja, was nicht im Drehbuch steht: sie glaubt an Gott und betet sogar manchmal, wenn sie alleine ist :-).





Hat es Spaß gemacht sich durch die Untoten zu kämpfen?

Spaß auf jeden Fall – aber wir mussten auch sehr konzentriert sein.
Die Zombie – Statisten und Kollegen waren toll, wie die sich der Sache verschrieben und sich voll in die Szenen reingeschmissen haben!




Der Dreh wurde ja mit dem Zombie - Walk in Düsseldorf verbunden. Wie hat dir das gefallen?

Ein toller Tag! Es war sonnig, wir haben direkt am Rhein gedreht und ich dachte nur: „Julia, you lucky bitch!!!“ ;-)



Danach ging es nach Berlin in ein verlassenes Krankenhaus. Wie war es?

Beste Location ever!! Mitten im Grünen – ein kleiner Kosmos für sich.
Ich interessiere mich sehr für Geschichten und wenn ich dann da durch die Gänge spaziert bin, hab ich mir automatisch ausgemalt, wer z.B. aus dem Papierhandtuch-Spender das letzte Papiertuch gerissen haben mag und solche Sachen. Auf der Kinderstation stehen noch alte Puppenwagen und die Wände sind mit Disney-Figuren bemalt. Der Ort hat auf jeden Fall etwas Geheimnisvolles, Trauriges, Mystisches – auch weil sich die Vegetation langsam wieder breit macht und alles schon ziemlich verfallen ist.
Einen freien Drehtag haben sich einige Schauspieler zusammengetan und bis in die Nacht einen eigenen kleinen Horror-Film für Youtube auf die Beine gestellt, weil wir alles aus diesem Drehort rausholen wollten! Oliver – der Setfotograf – hat mit seiner Canon 60d gefilmt und schneidet wohl auch ;-).



Für dich war es ja ein „Heimspiel“, da du ja nicht weit weg wohnst:

Ja, manchmal hab ich die „externen“ Schauspieler beneidet, die sich nach 13 – Stunden - Drehs in ihre Trailer verziehen konnten. Aber meistens war ich froh, abends in mein eigenes Bett fallen zu können!



Was konntest du für dich persönlich von dem Dreh mitnehmen?

Außer zwei blutigen, zerrissenen Blusen vor allem Erfahrung, Erfahrung, Erfahrung!
Ich konnte bei „God Forsaken“ in eine Welt eintauchen, die mir vollkommen fremd war (Asche auf mein Haupt – ich kannte nicht mal den Ausdruck „Gorehound“) und habe enorm viel gelernt!





Gäbe es eine Rolle für dich, die du gerne einmal spielen würdest?

Eine drogensüchtige Punkerin, eine KZ – Insassin oder eine geistig zurückgebliebene Anti – Heldin, für die es am Ende gut ausgeht...



Mit welchem Schauspieler oder Schauspielerin würdest du gerne einmal zusammen drehen und warum?

International fallen mir da spontan Reese Witherspoon und Andrew Garfield ein. R.W. finde ich in allem super und A.G. hat eine Tiefe und Ausdruck, die ich bei Männern selten so gesehen habe („Boy A“ ist hier Beispiel Nr. 1).
Aber generell interessiere ich mich mehr für meine deutschen Kollegen und wäre aus dem Häuschen, wenn ich die Chance hätte, mit ihnen zu arbeiten. Johanna Wokalek, Robert Gwisdek, Matthias Schweighöfer, Julia Bremermann, Gesine Cukrowski – um nur einige zu nennen. Bis Juli diesen Jahres hätte ich noch Susanne Lothar aufgelistet.



Und mit welchem Regisseur?

Michael Haneke, Margarethe von Trotta, Phyllida Lloyd, Penny Marshall und David Fincher.



Was sind so Deine Lieblingsfilme?

„Mamma Mia“ (ja, ich steh dazu :D), „Boy A“, „Children ́s Hour“, „Schicksalsjahre“. Und seit Neuestem (God Forsaken sei Dank) auch „Halloween“ von 1978. Gut gemachter, atmosphärischer Trash – Horror ;-).



Was sagst du über SplatGore.de?

Sehr informative, professionell aufgemachte Seite!!



Was sind Deine nächsten Projekte?

Ein Schwarz/Weiss – Film als Hommage an alte Klassiker, der im Berlin der 20-er Jahre spielt, aber trotzdem keine reine Kunst ist, sondern Unterhaltung.
Und ab nächstem Jahr die selbst geschriebene, düs tere Theater-Revue „Art 4 Art“ mit meinen
Kollegen Steve M. Gilbert und Katrin Höft.



Dann wünsche ich dir eine schöne Weihnachtszeit und bedanke mich recht herzlich für das Interview und gebe wie immer das letzte Wort an unseren Gast:

Ich danke dir, Jens – mach weiter so!
Das ist mein letztes Wort...
„Wo, wenn nicht hier – wer, wenn nicht wir?!“


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