Interviews

Hentschel, Martin





Interview mit Martin Hentschel vom 08.09.10


Hallo Martin,

vielen Dank, dass du dir die Zeit für das Interview genommen hast:


Grüß Dich, Jens!



Du hast eine Ausbildung an der „Rostocker Singakademie“ gemacht. Wie war es für dich?

Die Zeit am „Volkstheater Rostock“ war eine schöne und lehrreiche Zeit. Wir sind damals viel durch die Welt gereist, gaben Konzerte und traten sogar im Rundfunk und Fernsehen auf. Durch unsere vielen Reisen lernten wir interessante Städte kennen und kamen dabei mit anderen Kindern in Kontakt, die ebenfalls die Sprache der Musik sprechen. Denn die spricht man auf der ganzen Welt, egal ob man aus Italien, Schweden oder Japan kommt. Ich habe damals gelernt, dass ein Lied wirklich eine Brücke zwischen den Völkern bauen kann.




Wolltest du als Kind auch schon Sänger werden oder gab es da noch etwas anderes?

Als Kind wollte ich wirklich Sänger werden. Meine musikalischen Vorbilder waren dabei immer Elvis Presley und Adriano Celentano. Als Jugendlicher spielte ich dann in verschiedenen Theatergruppen und drehte erste experimentelle Kurzfilme auf High-8. Von da an war mir eigentlich klar, dass ich später einmal in diesem Bereich arbeiten werde. Mein Lehrer sagte damals einmal zu mir: „Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder du kommst einmal ganz groß raus oder du landest im Knast!“. Er war oft zu Späßen aufgelegt, ich glaube deswegen verstanden wir beide uns auch so gut. (lacht)


Wie bist du dann zum Filmgeschäft gekommen?


Das passierte relativ spät. Nach Abitur, Bundeswehr und einigen Semestern Studium in Rostock, zog es mich vor 2 Jahren nach Berlin. Anfangs suchte ich einen Nebenjob, um mein Studium hier zu finanzieren. Da ich aber auf Kellnern, Callcenter und den ganzen andern Mist keine Lust hatte, stieß ich auf eine Anzeige in der Zeitung, dass eine Agentur ein TV-Casting veranstaltet. Ich ging spontan hin und mein allererster Dreh war dann auch gleich eine Textrolle bei der Daily-Soap „GZSZ“.




Du bist auch heute noch ab und an bei „GZSZ“ zu sehen. Kann man dich dort öfter antreffen?


Das kann schon passieren.




Aber auch in „Anna und die Liebe“ warst du kurz zu sehen, wie war‘s?

Sehr entspannt. Ich war in 2 Folgen der Marine-Offizier Mike und stand zusammen mit der Hauptdarstellerin Josephine Schmidt vor der Kamera. Vor „Anna und die Liebe“ hatte Josi von 2002-2009 eine Hauptrolle bei „GZSZ“. Sie spielt nicht nur sehr gut, sondern ist auch sehr hübsch. Kaum zu glauben, aber sie feiert in diesem Monat ihren 30sten Geburtstag!




In welcher Serie bist du als Nächstes zu sehen?

In den neuen Staffeln von „Soko Wismar“ und „Der Kriminalist“ bin ich in je einer Folge zu sehen.




Bist du lieber im Fernsehen oder in Filmen zu sehen, oder kann man das so pauschal nicht sagen?

Es gibt gute TV-Filme und schlechte Kinofilme, genauso ist es umgekehrt. Wenn die Geschichte gut ist, spielt es für mich keine Rolle.




In Roman Polanskis „Der Ghostwriter“ und Christopher Smiths „Black Death“ hattest du je eine kleine Rolle. Wie war es für dich und welche Erfahrungen hast du davon mitgenommen?

Es hat wirklich etwas Magisches mit Weltstars wie Pierce Brosnan, Ewan McGregor, Kim Cattrall oder Sean Bean vor der Kamera zu stehen. Aber letzten Endes sind es auch nur Menschen, wie du und Ich. Als Referenz sind diese Filme natürlich sehr hilfreich und es ist auch immer ein Erlebnis, aber ich persönlich bevorzuge kleinere Filmsets. Also etwa bei TV-Filmen, Serien oder Independent-Filmen.


Was verbindet dich so mit der Independent Szene?

Seit 1 ½ Jahren bin ich nun in dieser Szene aktiv. Und ich fühle mich hier sehr wohl. Natürlich würde ich nicht ausschließlich solche Filme machen wollen, aber wenn man sich vernünftig einbringt, kann man selbst in so einem Nischen-Genre sehr viel bewirken. Es gibt hierzulande so viele talentierte Regisseure, die richtig viel drauf haben, aber denen einfach die Lobby fehlt. Zum Beispiel Daniel Flügger von „Newsman Team“. Der dreht seit 5 Jahren einige der besten deutschen Amateur-Filme, aber keiner registriert es so richtig. Stattdessen feiern die Leute Filmemacher ab, die in 20 Jahren im Geschäft nichts hinzugelernt haben. Das muss sich wirklich ändern.




Du hast ja heute auch noch mit vielen bekannten Gesichtern aus der Szene Kontakt:

Ja, wir sind eine große Familie. Ich verstehe mich mit den Meisten super und habe viele Freunde und gute Kontakte in der Independent-Szene. Leider gibt es - wie überall - immer Spalter, Schwätzer, Arschkriecher, und Leute, die menschlich und künstlerisch absoluter Bodensatz sind.



„La petite mort“ war dein erster Independent-Film? Wie war es?

Mein Buddy Andreas Pape hat ja eine Doku über die Dreharbeiten gemacht: „Inside La petite mort“. Da bekommt man einen sehr interessanten Einblick, was hinter den Kulissen so alles vor sich ging. Es war eine wirklich tolle Zeit, in der ich viele Freunde gefunden habe.




Bist du mal wieder in einem Film von Marcel Walz zu sehen?

Ja, dieses Jahr soll noch die synchronisierte Fassung von „Avantgarde“ auf DVD rauskommen. Außerdem ist Marcel im Moment an der Nachbearbeitung vom „Directors Cut“ von „La petite mort“ dran, für den wir extra einige Szenen nachgedreht haben.




Welche Eindrücke hast du von den Drehs mit Olaf Ittenbach mitgenommen?

Ich kann es immer nur wiederholen. Olaf ist einer der nettesten und ehrlichsten Menschen in diesem Business. Die Dreharbeiten bei Olaf bedeuten immer Professionalität und entsprechen gehobenem TV-Standard. Leider muss Olaf oft mit sehr wenig Budget auskommen. Dennoch schafft er es, das Maximalste aus seinen Produktionen herauszuholen. Leider sind es aber oft die Produzenten, die Olaf reinreden, die Filme eigenmächtig um schneiden und somit am Ende kaputt machen. Wie z.B. bei „Legion of the Dead“. Außerdem hat die Vergangenheit gezeigt, dass es nichts bringt, die Lizenzen für seine Filme weiterzugeben. Im Prinzip hat Olaf mit seinen ersten drei Filmen „Black Past“, „Burning Moon“ und „Premutos“ das Meiste Geld verdient. Olaf wird darum wohl in Zukunft alle seine Filme wieder selbst über IMAS vertreiben.





Die „Kettensägen Zombies“ (1999) haben in diesem Jahr ein „Redux“ bekommen. Erzähle uns, wie es dazu kam.

Ich fragte Andi [Andreas Pape, A.d.R.] mal, ob er seinen „Kettensägen Zombies“ nicht neu vertreiben wolle, da die Lizenz ja längst abgelaufen und der Film vergriffen war. Er setzte sich dann mit den Leuten von „MUP – Maximum Uncut Productions“ in Verbindung, die den Film auch sofort lizensierten. Da Andi aber nie ganz zufrieden mit dem Film war, haben wir uns entschieden neue Szenen zu drehen und sie zu integrieren. Man muss dazu wissen, dass es 3 Versionen von „Kettensägen Zombies“ gibt. Die erste Version aus dem Jahre 1999 hatte seinerzeit Timo Rose geschnitten und sie ist meiner Meinung nach wirklich unzumutbar. Erstens wurden so viele Zeitlupen eingebaut, dass das Erzähltempo gegen Null tendiert und zweitens ist die daraus resultierende Laufzeit von 45 Minuten eindeutig zu lang. Die zweite Version aus dem Jahr 2003 kam seinerzeit bei ‚Eyeless Enterteinment‘ heraus. Diese Version wurde von Andi Pape komplett neu geschnitten und dauerte nun knackige 28 Minuten. Außerdem wurde damals bereits extra für diese DVD-Fassung eine Szene neugedreht und in den Film gepackt. Da die Fassung aber immer noch nicht 100% perfekt war, wurden für unsere 2010-er „Redux“-Version gleich mehrere neue Szenen gedreht. Damit es kein Qualitätsunterschied zu dem alten Material gibt, wurde sogar extra mit der alten VHS-C-Kamera von damals gedreht. Außerdem wurde der Film in Bild und Ton digital überarbeitet und neu gemastert. Der Film dauert jetzt 34 Minuten. Ich hoffe, damit ist das Kapitel abgeschlossen, denn „Kettensägen Zombies Redux“ ist die nun wirklich ultimative Fassung!


Was alles ist neu?


Unsere guten Kollegen Marc Rohnstock und Mario Zimmerschitt haben uns bei den Dreharbeiten tatkräftig unterstützt. Marc - der einen Jäger spielt, dem der Kopf abgesäbelt wird – machte die Effekte und Mario – der ihm assistierte – doubelte in den neuen Szenen den Original-Kettensägen-Zombie. Ich spiele einen merkwürdigen Radfahrer, der ebenfalls total kaputt gemacht wird. Und in einem Cameo-Auftritt ist sogar ‚Astro‘-Mastermind Oliver Krekel zu bewundern.






Du spielst die Hauptrolle in „Feindbild Mensch“. Um was geht es?

In „Feindbild Mensch“ führe ich zusammen mit meiner Kollegin Gerda Ebner durch die Rahmenhandlung. Es geht um Verrat, Liebe, Hass und Schmerz. Wir sind sozusagen das Bindeglied zwischen interessanten Kurzgeschichten aus den dunkelsten Bereichen der menschlichen Psyche. Die Story hat mir gleich gefallen.


Wie kamst du an diese Rolle?

Beim Dreh zu Olaf Ittenbach’s “Legend of Hell“ im letzten Jahr lernte ich den Regisseur Thomas Binder kennen, der schon mit skandalträchtigen Filmen wie „The Baby Butcher“, „Suicide Desire“ und aktuell „Necrophile Passion“ für eine Menge Wirbel in seinem Heimatland sorgte. Mir gefallen seine Arbeiten und als er mich für „Feindbild Mensch“ fragte, sagte ich sofort zu.




Als Synchronsprecher hast du ja auch schon viele unterschiedliche Sachen gemacht, wie z.B. Sportdokus, Horrorfilme, oder gar für Videospiele. Was hat dir da am meisten Spaß gemacht?

Zuletzt haben wir zwei neue „HUGO“-Videospiele auf Deutsch eingesprochen. Die Computerspielserie um den kleinen Troll gibt es ja seit 1990 und lief ja sogar erfolgreich als Gameshow im TV seinerzeit auf Kabelkanal. Die neuen Spiele waren Lernspiele und ich habe - mit aufgesetztem mexikanischem Akzent - seinen Kollegen, den Papageien Fernando gesprochen. Das war sehr skurril, aber hat Spaß gemacht. Auch die Arbeiten im Studio zu „Isle of the Damned“ waren sehr lustig.


Kannst du dir auch mal vorstellen hinter der Kamera zu stehen und Regie zu führen?

Ich sehe mich nicht als Regisseur, aber natürlich würde es mich reizen auch einmal selbst hinter der Kamera aktiv zu sein. Ideen sind da, doch zuerst müsste ein vernünftiges Drehbuch her. Zeit und Geld spielen natürlich auch keine unbedeutende Rolle. Ich habe schon oft mit dem Gedanken gespielt einen bestimmten Horrorklassiker neu zu verfilmen. Wenn das passiert, dann aber definitiv nicht alleine.


Du hast auch als Autor und Redakteur viele Artikel und Bücher über das europäische Exploitationkino verfasst. Kannst du uns hierzu etwas mehr erzählen?


Ich habe als Co-Autor an den Büchern wie „Gloria Guida“ –meine Lieblingsschauspielerin -, „Edwige Fenech“ – die ich auch sehr verehre – oder „Brigitte Lahaie“ mitgewirkt. Außerdem erscheint im Moment in jeder Ausgabe von Heiko Benders Erotik-Livestyle-Magazin „PO – Private Only“ ein großer Bericht von mir über (S)Explotationfilme. Wir planen erst mal 10 Artikel mit je 4 Seiten. Wenn es gut ankommt, werden wir die Serie weiter ausbauen.



Du bist in Rostock groß geworden. Ein Grund um Hansa Rostock zu unterstützen?



Wir kommen aus Rostock der Stadt am Meer, wir geben alles und noch viel mehr,
Unsere Liebe Gehört nur dir, nur deswegen sind wir hier!

Wenn wir dann Cottbuser jagen, ja dann gibt es kein Erbarmen,
komm und sei doch kein Idiot, Blau Weiß Rot bis in den Tod!




Und klappt es in der Saison mit dem direkten Wiederaufstieg?

Wäre natürlich schön und nach dem traumhaften Saisonstart auch machbar. Allerdings wird es dennoch eine schwierige Aufgabe. Ich bin sehr froh darüber, dass Stefan Beinlich die Aufgabe als sportlicher Leiter übernommen hat. Das tut dem Verein gut. Zuletzt waren einzelne Leute im Vorstand aktiv, denen der Verein herzlich egal war. Auch ein großer Teil der Mannschaft der letzten Saison hat es nicht verdient, die Hansa-Kogge tragen zu dürfen. Diese Menschen haben sehr viel kaputt gemacht, haben nicht nur dem Verein, sondern die ganze Region geschädigt. Von daher hatte der Abstieg auch etwas Positives. Diese ganzen Pfeifen in Vorstand und Mannschaft waren endlich weg!



Was sind so deine Lieblingsfilme?

Ganz besonders mag ich italienische Klamotten, Italowestern und italienische Polizeifilme der 70'er Jahre. Aber auch amerikanische Gangsterfilme der 30'er /40'er Jahre und Eastern. Mein absoluter Lieblingsfilm ist aber ein Musical: „Joan Lui – Eines Tages werde ich kommen und es wird Montag sein“ (1985) mit Adriano Celentano.



Schaust du dir privat auch gerne Horror- & Splatterfilme an?

Ab und zu schon. Meine Lieblingsfilme in dem Genre sind: „From Dusk till Dawn“, „Nightmare – Mörderische Träume“, „Braindead“, „Street Trash“ und „Hostel“.



Was dürfen wir in Zukunft bei dir noch alles erwarten?

Diesen Monat erscheint ja „Kettensägen Zombies Redux“ auf DVD und läuft auf einigen Festivals. Dann erscheint am 28.10.10 die DVD von „Underworld Cats“ über Cult Movies. Anfang Dezember kommt die 4-Minuten gekürzte Fassung von „No Reason“ auf DVD und Blu-ray heraus. Am ersten Weihnachtsfeiertag bin ich im Märchenfilm „Des Kaisers neue Kleider“ in der ARD zu sehen.
In Ralf Kempers neuem Film „Albtraumfieber“ war ich ebenso dabei, wie in Christian Wittes „Goodbye Erwin Braddog“. Außerdem beginnen demnächst die Dreharbeiten zu Olli Krekels 3-D-Film „Robin Hood – Ghosts of Sherwood“. Dann kommen Ende des Jahres noch „Project Genesis“, wo ich auch am Drehbuch mitgeschrieben hab und der ZDF-Film „Niemand ist eine Insel“, indem ich den Chauffeur Kadic spiele, heraus. Und im nächsten Jahr erscheint der erste Teil von Andreas Betmanns 2-teiligem Backwood-Slasher„Terror Creek“. Außerdem werde ich ein neues Buch schreiben, diesmal über den deutschen Independent-Film. Ansonsten hoffe ich, dass ich gesund und voller Schaffenskraft bleibe.



Wie wichtig ist für dich der Kontakt mit den Fans?

Ich freue mich über jede Mail und bin für jede Kritik und jedes Lob dankbar.



Welche Frage würdest du dir bei einem Interview stellen?

Würden sie für eine Million Euro mit mir schlafen?



Was sagst du über SplatGore.de?

Ich lese natürlich eure Interviews, da ich die Meisten Leute ja auch persönlich kenne und es mich interessiert, was diese so preisgeben. Das neue Layout gefällt mir auch.




Dann bedanke ich mich recht herzlich für das tolle Interview und übergebe das letzte Wort an dich:

Ebenfalls vielen Dank für das Interesse. Mir bleibt noch zu sagen: Bleibt dem Horror- und Independent-Genre treu! Bleibt kritisch! Hört auf euer Herz! Und glaubt und kauft nicht jeden Dreck, der euch vorgesetzt wird! Allerbeste Grüße, euer maDDDin



 
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